Lerne und Wachse: das wissensangebot von valere
Die VALERE-Academy vermittelt einen philosophisch und geistig-politisch justierten Kompass, der eine Plattform für eine fundierte und reflektierte Orientierung in einer komplexen Welt bieten will. Sie will dazu beitragen, in Diskussion und Austausch mit exzellenten und kompetenten Referenten überzeugende Begründungen eigener Standpunkte zu erarbeiten. Diese Reflektionen sollen als Grundlagen für die eigene Lebensgestaltung und ein verantwortliches Handeln in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft dienen. Für alle VALERE-Themen stehen qualifizierte Referenten und Moderatoren aus unterschiedlichen Fachbereichen zur Verfügung.
curriculum
- I. Das SEIN der Welt und des Menschen
- II. Der Mensch ist als PERSON und „zoon politicon“ Ursprung, Träger und Ziel allen gesellschaftlichen Handelns
- III. Wahrheit und Erkenntnis
- IV. WERTE ohne Fundament im Sein sind relativ
- V. RECHT und POLITIK sind auf Ethik gegründet
- VI. Die vier natürlichen GRUNDHALTUNGEN (auch ‚Kardinal-Tugenden genannt) als Grundgerüst menschlichen Handelns
- VII. Alles ist LIEBE – was aber ist Liebe?
- VIII. STAAT, WIRTSCHAFT und GESELLSCHAFT im Zeitalter der Interessensverbände (NGO’s)
- IX. Ist die freie SOZIALE MARKTWIRTSCHAFT eine menschengerechte Ordnung
- X. Der Mensch ist auf KOMMUNIKATION und Kooperation angewiesen
I. Das SEIN der Welt und des Menschen
Als Menschbild bezeichnen wir die Vorstellungen vom Wesen (Essenz) des Menschen. Insofern der Mensch Teil der Welt ist, ist das Menschenbild ein wichtiges Element des Weltbildes. Das Menschen- und Weltbild sind Teil einer umfassenden Überzeugung und bestimmen die Auffassung eines Menschen vom eigenen Sein und dessen Natur sowie der menschlichen Erkenntnisfähigkeit – letztlich von Sinn und Zweck des Seins, der Ethik des Handelns und der eigenen Lebensführung. Menschen- und Weltbilder sind die Grundlagen und Orientierungspunkte unseres geistigen Lebens. Sie bestimmen auch das alltägliche Leben und das politisch-gesellschaftliche Handeln.
Als historisch wirkmächtig haben sich das personalistisch-realistische Menschen- und Weltbild (das auch Grundlage des christlichen Menschenbildes ist), ein individualistisch-rationalistisches sowie das kollektivistisch-materialistische und aktuell ein humanistisch-darwinistisches Menschen- und Weltbild erwiesen. Das Menschenbild prägt wesentlich Überzeugungen in Bezug auf den „Sinn des Lebens“ und damit Lebensziele und das, was als ein „gutes Leben“ bezeichnet wird. Die Fragen nach sittlich guten (vollkommenen) oder bösen (unvollkommenen und verwerflichen) Handlungen, nach richtigem oder falschem Tun und Lassen sind immer auch Fragen nach Ethik und Werten. Werte-Hierarchien bestimmen das Verhalten und die Einstellungen zu Fragen von Politik und Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. In einer Demokratie, in der jede und jeder Einzelne politische Entscheidungen mitbestimmt, nehmen das Menschen- und Weltbild und die daraus resultierende Werteordnung eines jeden Bürgers über das eigene Handeln hinaus auch Einfluss auf die Gestaltung der gesamten gesellschaftlichen Ordnung und der Gesetze. Eine Lösung der Probleme der Menschheit ist ohne ein Bewusstsein für und ggf. auch eine Korrektur von Menschenbildern und Weltanschauungen nicht möglich. Das eigene Menschenbild gilt häufig als so selbstverständlich, dass es selten in Frage gestellt oder mit anderen Sichtweisen abgeglichen wird. Dies beraubt der Möglichkeit, die Beweggründe (Bedürfnisse und Motive), Ziele und im Sein von Welt und Mensch begründete Werte in tieferen Dimensionen zu verstehen und weiterzuentwickeln. Auch aus diesen Gründen ist die Auseinandersetzung mit eigenen und fremden Menschen- und Weltbildern von elementarer Bedeutung.
II. Der Mensch ist PERSON und „zoon politicon“
Der Mensch ist „weltoffen„, nicht „instinktgebunden“ und zur Freiheit befähigt („animal rationale“). Von Natur aus ist er angewiesen auf Gemeinschaft mit anderen. Zugleich ist er als „zoon politicon“ auf Partizipation und Mitgestaltung des Gemeinwesens und damit auch von politischen Prozessen angelegt. Als Person vereint er in sich drei Naturen:
1. Individualnatur: Die menschliche Person ist ein in-sich-seiendes, unverwechselbares, einzigartiges und unwiederholbares Wesen mit Selbstbewusstsein, Selbstbejahung und -behauptung und Selbstliebe. Sie ist ein in sich ruhendes Willens- und Entscheidungszentrum. Menschsein umfasst Entscheidungs- und Willens-Freiheit und damit Selbstbestimmung und Eigenverantwortung.
2. Sozialnatur: Zugleich ist der Mensch als Mann oder Frau existenziell und substanziell dialogisch, sozialbedürftig (Zeugung, Geburt, Heranwachsen, Erziehung und Bildung) und sozialfähig (leistungsbereit und -fähig, kooperativ, liebesbedürftig und -fähig) – also grundsätzlich auf Gemeinschaft hin angelegt und angewiesen. Ohne Andere ist der Mensch nicht existenzfähig. Alle menschlichen Gemeinschaften (z.B. Ehe, Familie) haben ein in der menschlichen Natur begründetes Sein. Der Mensch ist „Träger, Schöpfer und Ziel aller gesellschaftlicher Einrichtungen…, sofern er von Natur aus auf Mit-Sein angelegt und sofern er zu einer höheren Ordnung“ berufen ist (Enzyklika von Papst Johannes XXIII. ‚Mater et Magistra‘, Ziffer 219). Gemeinschaft erwächst wesenhaft und seinsmäßig aus der Sozialnatur des Menschen; sie ist weder konstruiert, noch durch einen fiktiven Gesellschaftsvertrag konstituiert. Natürliche Kerngemeinschaften sind z.B. Familie und Kirche, die alle existenziellen Bedürfnisse des Menschen abdecken und widerspiegeln. Hier ist der Mensch beheimatet. Gesellschaftlichen Einrichtungen (z.B. Verbände, Vereine, Unternehmen, Parteien etc.) decken nur zeitweise und in Teilbereichen einzelne Partikularinteressen von Menschen und deren Gemeinschaften ab. Man kann aus ihnen austreten. Entscheidungsprozesse können sachgerecht auch in demokratischen Prozessen geregelt werden. Jeder Mensch kann sich entsprechend seinen Talenten, Fähigkeiten und Kräften auch in Staat und Gesellschaft z.B. in einem ehrenamtlichen Engagement einbringen.
3. Transzendente Natur: Der Mensch schreitet über sich und seine Grenzen hinaus (z.B. aus Liebe zu Anderen und der Natur, im Widerstand gegen den Tod, mit der Sehnsucht nach Sinn und Sinnstiftung und nach Ewigkeit). Die menschliche Geist-Seele kann grundsätzlich „alles erfassen“ („anima est quodammodo omnia„). Sie ist immateriell – und daher unsterblich (Geist kann nicht zerfallen und ist daher nicht sterblich – auch ein aus dem Nichts geschaffener Geist ist unsterblich).
III. Kann der Mensch objektive und allgemeingültige WAHRHEIT(en) ERKENNEN – ist er überhaupt wahrheitsfähig?
Der allgemeine Säkularisierungsprozess in der westlichen Welt hat auf den sog. Zeitgeist – philosophisch gesprochen den „objektiven Geist“ – der Gesellschaft eingewirkt und besonders an Schulen und Universitäten sowie in Medien und Politik Spuren hinterlassen. Er ist vor allem gekennzeichnet durch die Nichtbeachtung bzw. Negierung von absoluten Wahrheiten, Werten und Grundprinzipien.
Verschiedene Intellektuelle sowie Strömungen in der Wissenschaft versuchen, der Ansicht, alle Wahrheit sei immer subjektiv und damit relativ, immer mehr Geltung zu verschaffen. Bestritten wird vor allem die Existenz absoluter und allgemeingültiger Grundwahrheiten – da der Mensch ansonsten sein Handeln nach etwaig erkannten und vielleicht sogar ewig gültigen Wahrheiten ausrichten müsste und sich davon nicht emanzipativ distanzieren könnte. Denn bereits die bloße Existenz von Grundwahrheiten wird als eine Einschränkung einer grundlegend emanzipatorisch verstandenen Freiheit empfunden. Es wird verneint, dass der Mensch zur Begründung von Werten notwendige Erkenntnisse als wahr und allgemein geltend erfassen kann und dass es somit Wahrheit auch überhaupt gibt.
„Fake News“ und „alternative Fakten“ statt Wahrheit?
Zugleich aber empört man sich über „Fake News“ und sog. „alternative Fakten“, die in politischen Wahlkämpfen und Auseinandersetzungen eine immer größere Rolle spielen. Wer „Fake News“ in die Welt poste und „alternative Fakten“ behaupte, verdrehe die Wirklichkeit und behaupte die Unwahrheit. Wer „gefälschte“ Tatsachen per Twitter verbreite, mache sich der „Lüge“ schuldig. Und wer die sog. Klimakatastrophe als Folge allein menschlichen Handelns bestreite, sei ein „Klimawandelleugner“. Gibt es also doch so etwas wie eine objektiv und unabhängig von emotionaler Zustimmung geltende „Wahrheit“ und einen darauf aufbauenden Wahrheitsanspruch?
IV. WERTE ohne Fundament sind relativ
Die Einheit der menschlichen Kultur folgt universell aus der Einheit der menschlichen Vernunftnatur. Werte ergeben sich aus dem mit inneren Prinzipien und Sachgesetzen (geistigen Strukturen) ausgestatteten Sein der Welt und der menschlichen Person. Ethik oder Moralphilosophie, die Lehre vom guten Handeln, gehören zu den Grunddisziplinen der philosophischen Wissenschaft. Die Grundprinzipien der Moral müssen, um Grundlage für sittliches Handeln zu sein, im Sein fundiert sein. Sittlich sind alle freien Handlungen des Menschen, die mit Vernunft unter Beachtung des natürlichen Sittengesetzes geschehen – entsprechend der inneren Struktur der Person und ihrer existenziellen Zwecke und der natürlichen Sachgesetze. Ein moralisch ausgerichtetes Leben besteht nicht nur nach dem sog. Pfadfinderprinzip aus einer Reihe guter Taten, sondern muss zu einem Wesenszug des Menschen werden. Durch die Aneignung von Grundhaltungen reift der menschliche Charakter und bildet eine Persönlichkeit aus, die ein inspirierendes Charisma ausstrahlt.
Bildung ist immer auch Selbstbildung, die aber durch Erziehung und Formungsprozesse zuvörderst in Familien und in gemeinschaftlichen Gruppen erlernt und eingeübt werden können und sollen; den Eltern kommt gegenüber staatlichen Einflüssen bei der grundlegenden Erziehung ihrer Kinder der Vorrang zu. Gesinnungsmäßige Anstrengungen wie die Suche nach Wahrheit und Liebe, der Mut und der Wille zur Wahrheit und der Einsatz für Wahrheits- und Wertüberzeugungen müssen mit institutionellen Anstrengungen in Kirche, Staat, Wirtschaft und Gesellschaft einhergehen, wenn die Grundwerte der menschlichen Kultur verwirklicht werden sollen.
V. RECHT und POLITIK sind auf Ethik gegründet
Recht und Ethik gehören untrennbar zusammen. Recht wird in Normen formal und materiell gefasst. Normen und Gesetze sind aber nur dann gerecht und damit nicht nur legal, sondern legitimiert, wenn ihr materieller Gehalt den Werten, wie diese sich aus der Seinsordnung ergeben, entspricht. Diese Werte, personale, geistige, vitale oder auch materielle, sind sog. Rechtsgüter. Grundwerte sind als Rechtsgüter besonderer Art unverzichtbar für das Wohl des Menschen als Person. Sie sind bspw. im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in den Grundrechten normiert und besonders geschützt. Zugleich sind sie Werte- und Rechtsgrundlagen von Staat und Gesellschaft. Diese Rechte, die an die Rechtsgüter (Werte) gebunden sind, haben ihren Ursprung und ihre Begründung ebenso wie die Werte im Sein. Das Recht und die Rechte von Personen und Gemeinschaften verweisen auf Werte, Werte auf Wahrheiten und Wahrheiten auf das Sein. Werte-Relativismus führt zu Werte-Subjektivismus und Werte-Pluralismus und schließlich zu einem Werte-Nihilismus; dies führt zu einem falschen Toleranz-Begriff und damit einer fortschreitenden Zerstörung von staatlichen und gesellschaftlichen Institutionen und der menschlichen Kultur. Vertrauen in staatliche und gesellschaftliche Institutionen aber bedarf einer Renaissance grundlegender Wahrheits- und Wertüberzeugungen und damit geistiger und kultureller Grundwerte. Welche Prinzipien sollte eine an einem realistischen Menschen- und Weltbild ausgerichtete Politik beherzigen, welche Tugenden sollten politische Repräsentanten zu eigen sein und welches persönliche Charisma sollten sie ausstrahlen, um Vertrauen zu verdienen und Glaubwürdigkeit geschenkt zu bekommen?
VI. Die vier zentralen GRUNDHALTUNGEN
Die Ethik ist die Lehre vom richtigen Tun („Sollens-Lehre“). Häufiges „Tun“ bedeutet auch immer die Einübung einer charakterlichen (griechisch: Karrenspur) Grundhaltung, von Tugenden (virtus) oder Untugenden („Laster“, Fehlhaltungen, sog. „Todsünden“ wie bspw. Korruption etc.). Daraus erwachsen Werte-Haltungen (Verhaltens-Muster). Dabei folgt das „Sollen“ dem „Sein“, das durch immer neue intellektuelle Anstrengungen (Bemühung um Wahrheits-Erkenntnisse) in den Blick genommen, überprüft und reflektiert wird.
Das menschliche Handeln ist auf „wesenhafte (essentielle und existenzielle) Zwecke“ des Mensch-Seins ausgerichtet, die der menschlichen „Natur“ innewohnen. Freiheit, Gestaltungswille und Gewinnstreben sowie Gerechtigkeit und Solidarität sind beispielsweise Grundvoraussetzungen für die Entwicklung der sozialmarktwirtschaftlichen Ordnung. Durch die dem Menschen gleichfalls innewohnenden Strebe-Kräfte (Triebe) wird er unterstützt, angetrieben und auch motiviert, entsprechend den seiner „Natur“ innewohnenden Bedürfnissen (siehe bspw. Maslow´sche Bedürfnis-Pyramide) die sich daraus ableitenden Ziele immer wieder anzustreben, um sie möglichst umfassend zu erreichen und sich so zu ver“wirk“-lichen (Ideal der Vollkommenheit). Dabei sind die vier sog. „menschlichen“ oder „natürlichen“ (weil von Natur aus von jedem Menschen erkenn- und erlernbaren) Tugenden die Grundpfeiler eines sittlichen (ethischen) Handelns. Diese vier natürlichen oder auch Kardinal-Tugenden (Grundhaltungen) sollen den Menschen befähigen, seine Strebekräfte in nach seinem Willen „geordnete“ Bahnen zu leiten und ihn bei seinem Wunsch nach ethisch richtigem Tun unterstützen (siehe die Statue des griechischen Wagenlenkers mit feurigen Rossen als den menschlichen Leidenschaften; der Wagenlenker hält die Zügel in seiner vernunftgeleiteten Hand).
Von dem Stammbaum dieser vier Kardinaltugenden leiten sich alle anderen (untergeordneten Tugenden) als „Töchter“ und „Söhne“ (sog. „Sekundärtugenden“) etc. ab. Die vier Kardinaltugenden bauen sachlogisch aufeinander auf, d.h. die Klugheit ist bspw. immer die oberste, die „Mutter“ (mater) aller anderen Tugenden:
- Die Klugheit (lat. Prudentia) ist ausgerichtet auf Wahrheitserkenntnis als unerlässliche Grundlage allen Handelns.
- Gerechtigkeit (lat. Iustitia) bedeutet, der Wahrheit entsprechend zu handeln und das Recht-e, das Ge-Recht-e, zu tun (sich bspw. an legitime und legitimierte Recht-Setzung, Gesetze etc., zu halten); das Gute zu tun und das Böse zu lassen. Das Gute ist das „Wahre“ und damit zugleich das dem eigenen „Sein“ und der erkannten „Wirklichkeit“ in ihren vielfältigen Beziehungen entsprechende, das anderen Subjekten und der eigenen Person Angemessene zu tun.
- Tapferkeit (lat. Fortitudo) ist die Stärke, der Mut, das Standhalten, die Beharrlichkeit und die Opferbereitschaft: Mit Mut ist für das als „wahr“ Erkannte und damit das „Gerechte“ (das Sach-Richtige, Angemessene) einzutreten. Für eine in diesem Sinne „gerechte“ Sache (bspw. auch Anliegen, Interessen etc.) sind u.U. auch persönliche Nachteile in Kauf zu nehmen.
- Zucht und Maß oder die Mäßigung (lat. Temperantia) bedeuten eine Balance in der inneren Ordnung der eigenen Person anzustreben. Diese Tugendhaltung bewirkt Ausgeglichenheit, Souveränität, Größe und die Fähigkeit, die „goldene Mitte“ (Aristoteles) auszubalancieren. Es geht darum, sich selbst zu besitzen. Entsprechend dem Übermaß-Verbot bedeutet dies zugleich, „sein“ Recht nicht um jeden Preis durchzusetzen und die Zweck-Mittel-Relation zu wahren. Güterabwägung: Es gilt, eine Abwägung von u.U. miteinander im Konflikt stehenden Rechtsgütern vorzunehmen (Dilemma).
Anhang: Die „drei göttlichen Tugenden“
Bereits die antike Philosophie kannte schon die sog. „drei göttlichen Tugenden“: Glaube, Hoffnung und Liebe. Diese Tugenden können dem Menschen nur in einem religiösen Kontext („übernatürliche“ Tugenden) geoffenbart (sichtbar, einsehbar) werden (griechisch-jüdisch-christlicher, abendländischer Kulturzusammenhang).
- Der Glaube an einen bspw. monotheistischen personalen Gott – bspw. den mosaischen Jahwe oder erst recht an die im Christentum geoffenbarte Dreifaltigkeit Gottes, d.h. eine Gottheit (Natur) in drei Personen (Vater, Sohn und Heiliger Geist) – wird im Übergang der Seele in die Transzendenz (im Tode) zur unmittelbar „angeschauten“ Gewissheit (siehe Apokalypse, Johannes-Evangelium).
- Die Hoffnung auf ein ewiges Leben nach dem Tode bei Gott erfüllt sich bzw. zerbricht (bspw. „Hölle“ als ewige und absolute Ferne von Gott, als Allein-Sein mit sich selbst). Der „Verdammte“ richtet sich selbst im Angesicht seiner Taten („die ihm nachfolgen“).
- Nur die Liebe bleibt; sie ist die Definition Gottes selbst, seine Corporate Identity. Sein (ens), Wahrheit (veritas) und Schönheit (pulchrum) sind in Gott untrennbar vereint: Die Liebe ist die absolute und unwiderrufliche „Annahme seiner selbst“ (bspw. innerhalb der göttlichen Trinität) und der Anders-Seienden. „Gott schuf die Welt aus dem Nichts…und er sah, dass es gut (bonum) war“ (Genesis). Liebe bedeutet: Es ist gut, dass Du da bist (Sein) und wie Du bist (So-Sein). Und: „Ich will, dass Du lebst – und das Leben in Fülle hast“.
Der Gott Israels heißt: „Ich bin, der ich bin“. Seine Corporate Identity ist das ewige, absolute, allmächtige, allwissende Sein: Der Einzige, der dies von sich aussagen kann. Dem Menschen gilt der „liebevolle Anruf“ Gottes: „Sei der, der Du bist – und werde der, der Du sein kannst“ („strenge Dich immer neu an, die‚‘ethische Differenz‘ zwischen dem innerweltlich unvollkommenen So-Sein und dem Dir möglichen Sein-Sollen zu verkleinern“).
VII. Alles ist LIEBE – was aber ist Liebe?
Gott – so heißt es – sei die Liebe schlechthin: „Deus Caritas est“. Wie im christlichen Gottesbild der Dreifaltigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist, so sei auch der Mensch grundsätzlich auf den Dialog mit anderen Personen angelegt. „Niemand ist eine Insel“ und jeder Mensch verspürt ein Verlangen nach Gemeinschaft, geschützter Intimität, Erfüllung und Glück. Über ein großes und unbedingtes „Ja“ zu einem geliebten Menschen hinaus gibt es das Verlangen nach „vollkommener Liebe“ und auch ekstatischer Glückseligkeit. Was aber ist Sexualität und was bedeutet und welche Sinngebung beinhaltet sie? Wo ist der „Ort der Erotik“? Welche Funktionen können gesellschaftliche Institutionen wie Ehe und Familie in der pluralistischen Gesellschaft noch wahrnehmen und erfüllen? Welcher Begriff von Ehe und Familie ist menschengerecht und menschenwürdig? Wie kann Liebe „gelingen“? In Ländern mit mehr Wohlstand scheint eine demografische Entwicklung mit einer gesellschaftlichen Tendenz einherzugehen, dass immer weniger Kinder geboren werden und sich die Menschen Kinder „nicht mehr leisten“ mögen. Ist der Planet schon übervölkert und muss Überbevölkerung eingedämmt werden? Mit mehr Zuwanderung wird versucht, dem Arbeitskräftemangel entgegen zu wirken. Unterschiedliche Weltanschauungen und Menschenbilder aber erzeugen auch kulturelle Konflikte, die zum Teil in Gewalt umschlagen und friedlich gelöst werden müssen. Kaum eine Frage ist für ein gutes Leben und eine glückende Lebensführung so existenziell wie die Frage nach Sinn, Funktion und dem Wert der Liebe. Philosophische, psychologische, aber auch theologische Aspekte können dazu beitragen, eine Antwort zu finden und an der Liebe nicht zu verzweifeln.
VIII. STAAT, WIRTSCHAFT und GESELLSCHAFT im Zeitalter der Interessenverbände (NGO’s)
Die Demokratie erscheint als die optimale Staatsverfassung; denn sie ermöglicht Teilnahme und Teilhabe aller „mündigen“ Bürger an der Gestaltung des Gemeinwesens. Da der Gegenstand von Politik Fragen sind, die jedermann betreffen, ist es logisch, dass auch jedermann an der Lösung dieser Fragen beteiligt wird. Diese unmittelbar einsichtigen Sätze bedürfen aber einer weitergehenden Begründung und Rechtfertigung. Lassen sich ursprüngliche Grund- und Menschenrechte auch vernunftgemäß und rational begründen oder sind sie nur Ausfluss von bloß zwischenmenschlichen Vereinbarungen? Was ist der sog. Seinsgrund der Gesellschaft? Stellen Gesellschaft und Staat eine eigene „Seinswirklichkeit“ dar? Wer oder was ist die Substanz von Staat, Gesellschaft und Geschichte – die einzelnen Individuen oder das Kollektiv? Gibt es seinsmäßige Unterschiede von Staat und Gesellschaft und welche Konsequenzen folgen daraus für die Politik? Ist die Herstellung von Gemeinwohl Zweck und Aufgabe von Gesellschaft und Staat und was bedeutet Gemeinwohl als Ideal? Ist die Gesellschaft „staatseigen“ oder „staatsbezogen“? Ist Demokratie als generelles Lebensprinzip in allen gesellschaftlichen Bereichen geeignet und sachgerecht? Wie unterscheiden sich gemeinschaftliche Substrukturen wie z.B. die Institutionen Ehe und Familie, das Privateigentum (auch an Produktionsmitteln) und religiöse Gemeinschaften wie Kirchen von gesellschaftlichen Substrukturen i.e.S. der Gesamtgesellschaft? Staat und Gesellschaft sind in die Dynamik geschichtlicher und evolutionärer Prozesse gestellt. Ist aber deshalb alles nur geschichtlich und relativ? Gibt es etwas Übergeschichtliches und Bleibendes? Was ist der Sinn von Evolution und Geschichte?
IX. Ist die SOZIALE MARKTWIRTSCHAFT eine menschengerechte und nachhaltig ökologische Wirtschaftsordnung?
Wirtschaften ist mehr als ein technisch-mechanischer Vorgang. Tiere wirtschaften nicht. Wirtschaften ist vielmehr ein personales Ereignis, das sich nicht von selbst vollzieht, manipulierbar ist und eigene Sachgesetzlichkeiten und Prinzipien hat. Die Ordnung der Wirtschaft scheint nicht beliebig gestaltbar zu sein, wenn Erfolge sich einstellen sollen. Die Ordnung der Sozialen Marktwirtschaft scheint nicht nur das „derzeit“ beste System zu sein, sondern eine der großen Entdeckungen der Menschheit, die Armut beseitigen und Wohlstand bewirken kann.
Kreativität und Innovationsfähigkeit, unternehmerischer Mut zum Risiko und die Orientierung am Kundenwunsch und -bedarf sind die Fundamente einer funktionierenden Wettbewerbswirtschaft. Welche ordnungspolitischen Rahmenbedingungen sind notwendig, um einer drohenden De-Industrialisierung, De-Kapitalisierung und Verarmung zu begegnen? Aber muss umgedacht, müssen die Begriffe von Wachstum und Wohlstand neu definiert und austariert werden, damit der Planet überleben kann und seine Ressourcen auch künftigen Generationen noch zur Verfügung stehen können? Bedarf eine sozial temperierte Marktwirtschaft nicht nur fairer Wettbewerbs- und Arbeitsrechtsregeln, sondern auch eines freiheitlich gestalteten rechtstaatlich verfassten Ordnungsrahmens mit Grund- und Menschenrechten und einer unabhängigen Gerichtsbarkeit? Welche Bedeutung kommt dem Privateigentum an Produktionsmitteln in globalen Märkten und in supranationalen Staatengemeinschaften, Verbänden und Rechtssystemen zu?
X. Der Mensch ist auf KOMMUNIKATION und Kooperation angewiesen – die Aufgaben und Verantwortung von Journalisten und professionelle Medien-Rhetorik
Ziel dieser praxisbezogenen Seminar-Einheit ist, die Wirkprinzipien einer gelingenden Kommunikation und Rhetorik vorzustellen und mit praktischen Beispielen und Übungen zu demonstrieren, wie der Auftritt mit einer Rede, einem Vortrag, einer Ansprache oder einer Präsentation authentisch und professionell, selbstsicher und souverän sowie sympathisch und kompetent gestaltet werden kann. Menschen wollen umfassend und unvoreingenommen über Ereignisse und das Geschehen in aller Welt informiert werden. Sie wollen sich eine eigene Meinung vor dem Hintergrund ihres Menschen- und Weltbildes und ihrer Auffassung vom Sinn des Lebens bilden. Auf verschiedenen Wahrheits- und Wertüberzeugungen gründen unterschiedliche Wertvorstellungen, die das politische Denken und Handeln bis hin zur Rechtsetzung beeinflussen. Ein guter Journalismus weiß sich einem personalen Menschenbild verpflichtet, das auf der „unantastbaren Würde des Menschen“, wie es in Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes formuliert ist, beruht. Dazu gehören Freiheit, Gerechtigkeit und ein solidarisches Miteinander. Freiheit bedeutet immer auch Glaubens-, Gewissens- und Meinungsfreiheit und ist das Lebenselixier einer pluralistisch verfassten demokratischen Staats-, Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung. Der Fokus des klassischen Journalismus sollte auf wahrheitsgetreuer und sachlicher Information im Sinne seiner großen Tradition als vierter Säule der Demokratie und entsprechend dem Motto des bekannten deutschen Verlegers Rudolf Augstein: „Sagen, was ist“ liegen.